Die HSG Rodgau Nieder-Roden begeht am Samstag ihr 20-jähriges Bestehen als Handballspielgemeinschaft. Zunächst treten um 16.30 Uhr die Legenden beider Vereine gegeneinander an, ab 18.30 Uhr folgt das Testspiel der Drittligamannschaft gegen den Zweitligisten.
Rodgau – Am Samstag feiert die HSG Rodgau Nieder-Roden ihr 20-jähriges Bestehen als Handballspielgemeinschaft. Nach der offiziellen Eröffnung um 15.30 Uhr in der RODAUSTROM-Sportarena an der Wiesbadener Straße wird es um 16.30 Uhr zunächst zu einem Traditionsspiel der „Legenden der HSG Rodgau“ gegen die des TV Großwallstadt kommen, bevor ab 18.30 Uhr das Drittligateam der Rodgauer gegen das Zweitligateam des TVG antreten wird. Im Interview schaut Marco Rhein, Sportlicher Leiter und langjähriger Torwart der HSG Rodgau Nieder-Roden, zurück auf die 20 Jahre seit der HSG-Gründung, auf die Gegenwart und in die Zukunft.
Schmitt, Schmid und Weidinger am Ball
Für das Legenden-Spiel (16.30 Uhr) haben sowohl die HSG Rodgau als auch der TV Großwallstadt viele prominente Spieler gewonnen, die noch einmal Handball spielen werden. Im HSG-Tor werden sich Nico Jope, Jens Rhein, Marco Rhein und Marvin Hoppenstaedt abwechseln. Im Feld zum Einsatz kommen werden Sven Engel, Damian Ignacy, Andreas Knaf, Bernd Schmitt, John Meincke, Michael Engel, Bjôrn Quadt, Stefan Voltz, Markus Engel, Marcus Murmann, Mariusz Bartoszewicz, Christian Breiler, Freddy Lang, Daniel Kegelmann, Tim Henkel, Daniel Bauch, Marcus Seitel, Michael Weidinger, Timo Kaiser, Philipp Keller, Philippe Kohlstrung, Thimo Wagner, Alexander Hess, Christian Schmid, Johannes von der Au, Henning Schopper, Benjamin von Stein, Felix Hain, Rene Schrod und Carl-Philipp Erk. Das Trainer-/Betreuerteam bilden: Alexander Hauptmann, Jan Redmann, Bernd Keller, Peter Wade, Björn Hartmann und Else Knaf.
Das Aufgebot des TV Großwallstadt wird angeführt von Uli Wolf, Michael Spatz und Andreas Kunz. Außerdem angekündigt sind die Torhüter Matthias Ritschel, Markus Rominger, Arturs Kugis und Thomas Bolling und als Feldspieler Andre Lohrbach, Andre Göpfert, Philipp Reuter, Nicklas Geck, Oliver Köhrmann, Patrick Schmidt, Lars Spieß, Steffen Kaufmann, Felix Kossler, Antonio Schnellbacher und Marko Sokicic.
Interview mit Marco Rhein – Sportlicher Leiter Herren und Geschäftsführender Vorstand der HSG
Marco Rhein, 20 Jahre HSG Rodgau Nieder-Roden – die beste Entscheidung, die damals getroffen werden konnte?
Ja, definitiv. Wenn man sieht, wo wir damals standen, und wie wir nach dem Zusammenschluss richtig Fahrt aufgenommen haben. Es ist natürlich immer hypothetisch, zu sagen, was andernfalls passiert wäre. Aber ich denke, für einen Ortsteilverein alleine wäre es nicht möglich gewesen, diesen Weg zu gehen, auch mit der Jugend, was wir hier alles aufgebaut haben. Jahrzehntelang haben sich die Stammvereine TG und SG ja Konkurrenz gemacht. Seit dem Zusammenschluss ziehen wir an einem Strang.
Sie selbst waren beim Zusammenschluss 2006 noch Torwart in der TG-Jugend, Ihr Bruder Jens Rhein stand im SG-Tor. Was haben die Spieler damals über die Pläne gedacht?
Die Spieler beider Mannschaften haben sich damals schon super verstanden, wir kannten uns gut. Wir haben uns gefreut auf den Zusammenschluss. Ich bin damals im ersten Jahr der HSG als Torwart mit der zweiten Mannschaft aufgestiegen in die Landesliga. Das war auch gleich ein super Start.
In beiden Stammvereinen gab es aber damals unter den älteren Mitgliedern durchaus Vorbehalte und Ablehnung gegen den Zusammenschluss – wie wurden die überwunden?
Da müsste man die fragen, die damals am Werk waren, Herbert Seitel, Reinhard Pietschmann, Jochen Simon, Stefan Schnur oder Otto Manus. Ich war ja erst 19 Jahre alt. Aber sie haben alle irgendwie zueinander gefunden.
Dabei war die Anfangsphase der ersten Mannschaft damals noch holprig: Im zweiten Jahr kam es zum Abstieg aus der damals drittklassigen Regionalliga in die Oberliga Hessen und nach der Qualifikation für die neue dritte Liga 2010 ging es direkt wieder runter…
Der erste Abstieg 2008 war äußerst unglücklich mit nur einem Punkt Rückstand auf gleich drei Konkurrenten. Danach gab es einen großen Umbruch und Alex Hauptmann hat die neue junge Mannschaft als Trainer übernommen und ab da ging es schon bergauf. Der Abstieg aus der 3. Liga war gar nicht so dramatisch, wir waren als Mannschaft um Timo Kaiser, Michael Weidinger und Philipp Keller gefestigt und sind zusammengeblieben und direkt wieder aufgestiegen. Und seitdem gehen wir jetzt in das 15. Jahr in Folge in der 3. Liga, in denen wir nie schlechter als Platz sieben abgeschlossen haben.
Zunächst war es Alex Hauptmann, der in neun Jahren als Trainer eine Ära geprägt hat…
Alex hat uns beigebracht, wie man Leistungssport auf Amateurebene betreiben kann: mit hohem Einsatz, akribischer Arbeit und unbändigem Siegeswillen. Und er war ein super Taktiker, hatte selbst ja zuvor viele Jahre lang höherklassig Handball gespielt. Er hat uns seine Spielidee vermittelt und Mentalität verliehen. Und er hat die Strukturen im Verein vorangetrieben.
Auf Hauptmanns freiwilligen Rückzug 2017 folgte der nächste Trainer, der eine Ära prägte: Jan Redmann, der heute noch als Koordinator der männlichen Jugend im Verein tätig ist, war sieben Jahre lang Cheftrainer der ersten Mannschaft.
Jan ist ein komplett anderer Typ als Alex, in der Ansprache, im Coaching. Beide sind sehr, sehr gut in ihrem Job, aber kaum zu vergleichen. Jan kannte viele junge Spieler aus seiner Arbeit im Nachwuchsbereich und hat es dann hervorragend geschafft, junge Spieler wie Henning Schopper oder Johannes von der Au in unsere Mannschaft zu integrieren und nahtlos erfolgreich zu bleiben, gekrönt von Tabellenplatz drei, der besten Platzierung unserer Geschichte.
In diese Phase fielen aber auch die Jahre der Corona-Pandemie. Wie ist die HSG da durchgekommen?
Das war die schlimmste Zeit, die wir hatten, sehr stressig und sehr, sehr schwierig mit den fast täglich wechselnden Anforderungen. Wir mussten sehr schwierige Entscheidungen treffen, niemand wusste, was richtig und falsch war. Wir durften als Drittligist ja weiter trainieren, ich selbst aber bin dann gleich als einer der ersten erkrankt. An diese Zeit möchte ich am liebsten gar nicht mehr denken. Spieler, Trainer und Vorstand haben aber alle an einem Strang gezogen, sodass wir als Verein letztlich ganz gut da durchgekommen sind. Und auch unsere Sponsoren sind uns größtenteils treu geblieben und haben uns weiter unterstützt bei den Ausgaben, die wir noch hatten, sodass wir finanziell mit überschaubarem Verlust da herausgekommen sind.
Auf Jan Redmann folgte dann 2024 in den mit viel Vorschusslorbeeren geholten Peter David der einzige Trainer in der HSG-Geschichte, der nicht gut gepasst hat. Warum?
Erstmals haben wir uns vorzeitig von einem Trainer getrennt. Handballerisch und menschlich hatte das grundsätzlich gut gepasst, da können wir Peter keinen Vorwurf machen. Aber er war körperlich nicht so fit und konnte die Leistung eines Trainers nicht voll erbringen. Und dann kann es als neuer Trainer auch schwierig werden, eine Mannschaft zu erreichen. Letztlich sind wir aber positiv auseinandergegangen.
Seinem Nachfolger Christian Sommer ist es dann aber ja gelungen, das Ruder herumzureißen. Könnte er der nächste sein, der bei der HSG Rodgau Nieder-Roden eine Ära prägt?
Das Kalenderjahr 2025 mit der zweiten Hälfte der Saison 2024/25 und der ersten Hälfte der Saison 2025/26 unter der Leitung von Christian war für uns sportlich herausragend, auch wenn es zuletzt in der Rückrunde aus verschiedenen Gründen nicht ganz so rund lief. Christian ist ein Kind der HSG, hat als Trainer unserer B-Jugend mit Nick Weiland und Ben Seidel mit dem Pokalsieg den ersten nationalen Titel für uns als HSG gewonnen. Jetzt arbeitet er mit dieser Generation im Männerbereich. Das darf gerne wieder eine Ära werden, denn dann würden wir weiter so erfolgreich sein.
Was habt ihr für Ziele für die Zukunft, was könnte noch möglich sein für die HSG Rodgau Nieder-Roden?
Insgesamt sind wir ja stark gewachsen, haben jetzt 22 Mannschaften. Die Männer in der 3. Liga, die zweite Mannschaft ist gerade aufgestiegen in die Regionalliga. Auch unsere Damen haben lange in der 3. Liga gespielt, auch wenn sie jetzt leider gerade abgestiegen sind. Die A- und B-Junioren spielen Bundesliga, die C-Junioren spielen in Hessen ganz vorne mit. Auch die weibliche A-Jugend spielt in der Regionalliga. Das wollen wir aufrechterhalten und weiterentwickeln mit jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs und aus der Region. Unsere erste Mannschaft kommt zu 60 Prozent aus der eigenen Jugend und ist im Schnitt 22 Jahre alt, die zweite Mannschaft besteht zu 90 Prozent aus Eigengewächsen mit einem Altersschnitt von 20 oder 21 Jahren. Nur infrastrukturell sind wir längst an Grenzen gestoßen. Aber wenn sich da irgendwann vielleicht doch einmal eine Chance auf eine neue Halle ergeben sollte, könnten wir auch noch weiter nach oben schauen.
Zur Feier des Jubiläums kommt es am Samstag zum doppelten Freundschaftsspiel gegen den TV Großwallstadt. Was wünschen Sie sich für den Samstag, wann wären Sie zufrieden?
Ich werde zufrieden sein, wenn es ein schöner geselliger Tag wird, sich alle erinnern an die letzten 20 Jahre und rundum zufrieden sind. Der TV Großwallstadt kommt auch mit vielen Legenden, ehemaligen Nationalspielern und Bundesligaspielern. Dafür danke ich dem TV Großwallstadt sehr, das ist nicht selbstverständlich. Und wir werden über 30 Aktive aus den letzten 20 Jahren dabei haben. Das zweite Spiel der Bundesligateams wird dann sportlich mehr ein Test für die neue Saison werden. Da hoffe ich auf ein gutes Spiel. Und vielleicht können wir den TVG dabei ja ein bisschen ärgern.