In einer hochklassigen und spannenden Bundesliga-Partie der B-Jugend unterlagen die Baggerseepiraten der TuSEM Essen denkbar knapp mit 31:32 (15:13). In der mit knapp 300 Zuschauern sehr gut gefüllten RODAUSTROM Sportarena fehlte den Hausherren am Ende das nötige Spielglück, um zumindest einen Punkt zu sichern. Während die Gastgeber über weite Strecken führten, bewiesen die Gäste in der Schlussphase Nervenstärke und Cleverness und drehten die intensive Begegnung zu ihren Gunsten.
Die Jungpiraten erwischten den besseren Start. Angefeuert von frenetischen Sprechchören von der Jungpiraten-Ecke und Jack „Marzo“ Sparrow in der Sprecherkabine setzten sich die Knaf-Schützlinge früh auf 5:2 und 8:4 ab. Essens Trainer Florian Buddenborg legte bereits in der 10. Minute die Grüne Karte, um an der taktischen Marschroute zu feilen. Doch die Auszeit zeigte zunächst wenig Wirkung.
Die Hausherren agierten konzentriert im Abschluss und stellten in der Anfangsviertelstunde eine kompakte 6:0-Abwehr, die Essen vor große Probleme stellte. Die Gäste ließen zudem gute Möglichkeiten ungenutzt, darunter zwei vergebene Siebenmeter.
In der 17. Minute erhöhten die Rodgauer sogar auf 12:6. Dies war bislang die höchste Führung des Spiels. Bis zur 25. Minute behauptete die HSG Rodgau Nieder-Roden eine 15:10 Führung, ehe TuSEM in der Schlussphase der ersten Halbzeit noch einmal verkürzte. Kurz vor dem Pausenpfiff vergaben die Essener einen weiteren Siebenmeter, sodass die Nieder-Röder mit einer knappen, aber verdienten 15:13-Führung in die Kabine gingen.
Nach Wiederanpfiff kamen die Gäste deutlich entschlossener aus der Kabine, und es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Essen erhöhte den Druck, glich in der 37. Minute zum 19:19 aus und übernahm wenig später erstmals die Führung.
Die durchschlagskräftigen Rückraumspieler der Essener fanden nun immer wieder Lücken in der Rodgauer Defensive, die nicht mehr an die Kompaktheit der ersten Hälfte herankam. Einige Durchbrüche konnten nicht konsequent verteidigt werden.
Die Jungpiraten stemmten sich jedoch gegen die kippende Partie. In der 48. Minute verkürzte Nico Wisser auf 22:23 und die Jungpiraten gingen auf Tuchfühlung.
Die letzten zehn Minuten hatten es in sich. In der 51. Minute setzte sich Essen durch einen Doppelschlag des schnellen Rechtsaußen auf 28:25 ab.
Dann wurde es in der 54. Minute wild: Ein Rodgauer wurde gefoult, das Foulspiel zunächst nicht geahndet und Essen traf im Gegenstoß. Der Treffer wurde jedoch zurückgenommen und zur Verwunderung der Gästebank gab es eine Disqualifikation für den starken Essener Spielmacher. Dies sorgte für zusätzliche Brisanz in der hektischen Schlussphase.
Trainer Andi Knaf nahm seine letzte Auszeit und stellte sein Team auf eine offene Manndeckung ein. Diese taktische Maßnahme zeigte Wirkung. Die Essener taten sich beim „Parteiball“ schwer und verspielten ihre Drei-Tore-Führung. Beim Stand von 29:29 in der 57. Minute war wieder alles offen.
Kurz vor Spielende mussten die Rodgauer jedoch nach einer erneuten Zwei-Minuten-Strafe in Unterzahl agieren. Leon Kampermann verwandelte einen Siebenmeter zur erneuten Essener Führung, ehe die HSG nochmals ausglich. In Unterzahl gelang Essen das entscheidende 32:30. Zwar verkürzten die Rodgauer 13 Sekunden vor Schluss auf 31:32, doch das reichte nicht mehr für ein Remis.
Die Baggerseepiraten zeigten über weite Strecken eine engagierte Leistung und hatten das Spiel in der ersten Hälfte im Griff. Am Ende jedoch bewies TuSEM Essen in der entscheidenden Phase ihre Cleverness und hatte das gewisse Spielglück auf ihrer Seite.
Ein intensives, temporeiches und hochklassiges Jugend-Bundesligaspiel mit dramatischem Ausgang. Dies war beste Werbung für den Jugendhandball, auch wenn die zwei Punkte letztlich mit ins Ruhrgebiet gingen.
Stimmen zum Spiel
Trainer Andi Knaf resümierte:
„Heute haben wir ein fantastisches Jugendhandballspiel gesehen und hervorragende Werbung für den Jugendhandball betrieben. In der ersten Halbzeit haben wir eine sehr massive Defensive gestellt, die Essen vor großen Problemen gestellt hat. Essen präsentierte sich als bockstarke Truppe, sehr gut aufeinander abgestimmt und hervorragend gecoacht. In der zweiten Hälfte war unsere Abwehr nicht mehr ganz so kompakt, einige Durchbrüche konnten wir nicht verteidigen. Zudem hatten wir eine kleine Schwächephase mit ungenutzten Torchancen, die Essen zur Drei-Tore-Führung nutzte. Am Ende haben wir mit der offenen Manndeckung alles oder nichts gespielt, sind noch einmal herangekommen und dann war es offen. Zum Schluss hat uns ein wenig das Glück gefehlt. Glückwunsch nach Essen.“
Der Essener Trainerkollege Florian Buddenborg nach dem Spiel:
„Wir waren in den Anfangsminuten aufgrund der großartigen Atmosphäre etwas nervös. In dieser Halle werden es noch viele Mannschaften schwer haben. Wir haben auf beiden Seiten starke Torhüterleistungen gesehen. Die Szene mit der roten Karte habe ich nicht gesehen, mich hat es aber verwundert, dass danach weitergespielt wurde und das Spiel nicht unterbrochen wurde. Gegen die offene Manndeckung haben wir es am Ende nicht clever genug gelöst, sodass es noch einmal spannend wurde. Unter dem Strich haben wir aber verdient gewonnen.“
Es spielten:
Daniele Giannusa, Jan Rhein; Ole Brosch, Max Edelmann, Mathis Glück, Victor Gruhl, Tim Heide, Bennet Knaf, Norman Kotzur, Constantin Meyer, Luca Möller, Nicolas Wisser, Mateo Schüler, Luca Stark, Linus Zölls
Ausblick
Am 7. März steht für die B1 das nächste Auswärtsspiel in Dormagen an. In den verbleibenden drei Meisterrundenspielen dürfen sich die Jungpiraten keinen Ausrutscher mehr erlauben, um das angestrebte Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft nicht zu gefährden









