Rodgau – Die Emotionen waren groß am Freitagabend in der Sporthalle an der Wiesbadener Straße in Nieder-Roden. Johannes von der Au absolvierte das letzte Spiel für „seine Baggerseepiraten“ der HSG Rodgau Nieder-Roden in der 3. Handballliga. Trotz der 31:36 (16:16)-Niederlage zum Saisonabschluss gegen den Vizemeister TV Gelnhausen stimmte die Halle nach dem Spiel das altbekannte „Humba“-Lied an, unter lautem Applaus der Halle wurden neben von der Au auch Nils Hassler, Nils Zelser und Ben Horlebein verabschiedet.

56 Sekunden vor Ende des Spiels nahm Rodgaus Trainer Christian Sommer noch einmal eine Auszeit, die ganze Halle erhob sich und schuf eine Gänsehaut-Stimmung. Bereits die Sekunden vorher saß Johannes von der Au mit Tränen in den Augen und Trikot vor dem Gesicht auf der Bank, jetzt bekam er seinen wohlverdienten Applaus. Anschließend erzielte der „Emotional Leader“ der HSG sein letztes Karrieretor, jeder Spieler des TV Gelnhausen gratulierte ihm bereits beim laufenden Spiel zu einer tollen Karriere. Diese Szenen zeigten einerseits, welchen Eindruck von der Au auf dem Handballfeld gemacht hat, im eigenen Verein ebenso wie bei den Gegnern. Aber es zeigt auch, wie sehr die Handball-Familie trotz jeder Rivalität im Rhein-Main-Gebiet zusammensteht.

Zuvor hatte sich ein schnelles, offensives Handballspiel entwickelt. Nach elf Minuten traf Sam Hoddersen zur 8:6-Führung für die Gastgeber. „Das war ein tolles Spiel für die Zuschauer. Klar waren die Tabellenstände vor dem Spiel bereits klar, dennoch geht es in so einem Spiel natürlich auch immer ums Prestige“, sagte Sommer. Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit übernahm der Gast dann die Führung, TVG-Kapitän Jonathan Malolepszy traf zum 15:12 für die Barbarossastädter. Doch Rodgau konnte die Intensität wieder erhöhen und glich aus, in die Halbzeitpause ging es mit 16:16.

Das extreme Tempo im Spiel blieb auch im zweiten Durchgang. „Gelnhausen hat wirklich brutale Qualität. Sie können wirklich über 60 Minuten im Tempo bleiben. Jedes Mal dann wieder in Eins-gegen-eins-Situationen zu müssen, zieht natürlich extreme Kräfte“, sagte Sommer. Ab der Mitte der zweiten Halbzeit zog Gelnhausen dann weg, mit einem 3:0-Lauf gab es die erste Vier-Tore-Führung für den Gast beim 24:28 (46.). Diesen Vorsprung behauptete der Tabellenzweite und fuhr am Ende einen verdienten Derbysieg ein. Aus Rodgauer Sicht fing anschließend ein wichtiger Programmpunkt des Abends mit den Verabschiedungen der Spieler gerade erst an.